[DIY] Schmuckschatulle aus einem Buch

Das neue Jahr hat gerade angefangen und anstatt euch eine neue Rezension zu präsentieren, habe ich gedacht, ich zeige euch, woran ich Neujahr gebastelt habe – und zwar eine Buch-Schmuckschatulle. Man braucht dafür nicht viel, also ist das Projekt ideal für Feier- und Sonntage, an denen man nicht mal eben noch etwas einkaufen kann 😉

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Auf die Idee kam ich, weil ich einfach viel zu viele Ohrringe habe und im Schmuckkästchen und am Schmuckbäumchen langsam der Überblick verloren geht. Zudem habe ich ein tolles Video bei Youtube entdeckt, bei dem ebenfalls aus einem alten Buch eine Schmuckschatulle gebastelt wurde – aber mehr für Ringe und Ketten. Das Video findet ihr hier. Außerdem hat mir meine Schwester vor längerem ein ausrangiertes Buch aus der Bibliothek mitgebracht, das noch richtig gut aussieht, mit dem man aber nichts anfangen kann (es handelt sich um eine Bibliografie). Im Folgenden findet ihr nun die Anleitung zu meiner Buch-Schmuckschatulle. Sie eignet sich auch super als Geschenk.

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Ihr braucht:
– ein altes Buch mit festem Einband
– Basteldraht oder vergleichbares
– Holzleim oder ähnliches
– Cuttermesser
– Bleistift
– Lineal
– Klebestreifen
– Backpapier

So gehts:
Ihr nehmt das Buch und schlagt den Deckel auf. Auf der rechten Seite zeichnet ihr euch einen Rahmen, den ihr später ausschneiden wollt. Ich habe vom Rand 2 cm abgemessen.

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Nun nehmt ihr das Cuttermesser zur Hand und zieht es vorsichtig die Bleistiftlinien entlang. Es ist einfacher, wenn ihr das Lineal zu Hilfe nehmt.

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Diesen Vorgang wiederholt ihr immer wieder. Zwischendurch entfernt ihr die ausgeschnittenen Seiten.

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Dieser Vorgang dauert gefühlt ewig, aber irgendwann hat man so viele Seite ausgeschnitten, dass ein schöner tiefer Hohlraum entstanden ist. Wie viele Seiten ihr ausschneidet beziehungsweise wie tief ihr das „Loch“ macht, müsst ihr entscheiden – bei mir hatte es zum Schluss eine Tiefe von 3 cm. Lasst aber noch ein paar Buchseiten zum Schluss hinten stehen, so habt ihr einen schönen Hintergrund und wir brauchen auch ein paar Seiten für die Befestigung der Halterungen der Ohrringe.

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Wenn ihr das geschafft habt, dann ist der größte Teil der Arbeit getan. Nun kommen die Halterungen für die Ohrringe dran. Da ich eine Aufbewahrung für Hängeohrringe machen wollte, habe ich auch nur dafür Halterungen gebastelt. Wenn ihr auch für Ohrstecker und Ringe etwas haben möchtet, so könnt ihr Schaumstoff, wie es im oben verlinkten Video zu sehen ist, nehmen. Für meine Halterungen müsst ihr zunächst auf der ersten nicht mehr ausgeschnittenen Buchseite Markierungen machen, wo ihr später die Halterungen haben möchtet. Anschließend stecht ihr mit einem spitzen Bleistift an dieser Stelle Löcher aus. Wegen der Stabilität empfehle ich ein Loch durch mehrere Buchseiten zu stechen (ich habe drei genommen). Aber seid vorsichtig mit dem Bleistift, ich habe mir gleich am Anfang den Bleistift ganz arg in den Finger gerammt ;(

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Habt ihr alle Löcher ausgestochen, nehmt ihr den Basteldraht und formt daraus kleine Haken, deren Enden ihr im Anschluss durch die Löcher steckt und auf der Rückseite umknickt (deswegen geht kein zu dicker Draht wie von Büroklammern, weil diese sich hinten nicht so leicht umknicken lassen). Über die umgeknickten Enden klebt ihr dann Klebestreifen, damit nichts verrutscht.

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Habt ihr das geschafft, schlagt ihr alle Seiten zusammen bis zur ersten Seite und bepinselt alles sehr großzügig mit Holzleim. Fangt mit dem Inneren an. Wenn ihr die alles schön eingeleimt habt, legt Backpapier zwischen Buchdeckel und erster Seite und schlagt das Buch zu. Das Backpapier verhindert, dass der Deckel am Rest festklebt. Nun könnt ihr den Buchschnitt einleimen. Es ist nicht schlimm, wenn etwas Leim auf das Backpapier oder den Einband kommt, da der Holzleim nach dem Trocknen durchsichtig wird. Bei anderem Kleber müsst ihr da eventuell etwas aufpassen. Habt ihr alles eingeleimt, dann lasst alles gut trocken. Am besten beschwert ihr das Buch mit anderen Dingen (Büchern ;)), damit die Seiten schön zusammengedrückt werden

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Je nach Kleber, den ihr verwendet habt, kann es ein paar Stunden dauern, bis alles durchgetrocknet ist. Ich habe einfach alles über Nacht trocknen lassen. Ist der Kleber trocken, könnt ihr das Backpapier entfernen. Dazu den Buchdeckel einfach öffnen und das Backpapier dann vorsichtig von innen nach außen von der ersten Seite abziehen. Es kann sein, dass Kleberreste an den Seiten sind, diese könnt ihr einfach mit dem Cuttermesser abschneiden.

Und schon ist die Schmuckschatulle aus einem Buch fertig! Ihr müsst sie jetzt nur noch mit Schmuckstücken füllen 😉

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Frohes neues Jahr!

2016! Ich wünsche euch ein gesundes und frohes neues Jahr!

Ich hoffe ihr hattet einen schönen Silvesterabend und seid gut in das neue Jahr gestartet. Was habt ihr euch für dieses Jahr vorgenommen?

Ich halte eigentlich nicht viel davon sich für das neue Jahr etwas bestimmtes vorzunehmen, da man doch sowieso oft darüber hinweg kommt oder nach einer Woche den Vorsatz schon wieder fallen lässt. Eine Sache habe ich mir aber doch vorgenommen – endlich einmal meine Bücher, die schon sehr lange bei mir ungelesen liegen, zu lesen. Anstoß dazu hat mir die Jahreschallenge von Kerstin von Kastanies Leseecke gegeben. Sie hat schon 2015 dazu aufgerufen ältere Bücher vom SuB zu lesen. Das finde ich toll und habe dann in einer schlimmen Phase von Prokrastination (ich schreibe gerade meine Masterarbeit) einmal meine Bücher nach Erscheinungsjahren sortiert. Das Ergebnis hat mich super überrascht – ich hätte nie gedacht, dass ich aus den Jahren von vor 2000 so viele Bücher habe…

Hier ein Bild von meinen Stapeln:

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Interessant fand ich, dass ich von 2010/2011 so wenige Bücher auf meinen SuBs habe – da habe ich einfach fast alles gelesen, was ich damals an aktuellen Büchern gekauft hatte.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr schon einmal euch einen Überblick verschafft von wann ihr am meisten Bücher habt? Ich wäre auf das Ergebnis gespannt 😉

[Rezension] Blätterrauschen von Holly-Jane Rahlens

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Titel: Blätterrauschen
Autor: Holly-Jane Rahlens
Verlag: Rowohlt Rotfuchs
Seiten: 320
Preis: 14,99 Euro

An einem stürmischen Herbstnachmittag sitzen die drei Kinder Oliver, Rosa und Iris im Hinterzimmer der Buchhandlung Blätterrauschen. Während sie warten, dass alle Mitglieder des gemeinsamen Leseclubs eintreffen, klopft plötzlich jemand an die Hintertür des Zimmers. Etwas ängstlich öffnen sie die Tür und vor ihnen steht plötzlich Colin, der behauptet aus der Zukunft zu stammen. Und plötzlich finden sich Oliver, Rosa und Iris mitten in einem Abenteuer wieder – denn Colin kommt wirklich aus der Zukunft und zu viert geraten die Kinder in eine gefährliche Zeitschleife.

In „Blätterrauschen“ begleitet man die vier Kinder auf ihrem Weg durch die Zeit, vor allem in die Zukunft. Dabei hat Holly-Jane Rahlens ein Bild von einer Zukunft entworfen, die zwar technisch und vom Gesellschaftsaufbau unserer Welt gar nicht mehr ähnelt, in der aber Menschen immer noch Menschen sind und genau die gleichen Fehler aufweisen wie heute.

Da ausschließlich aus der Sicht der Kinder erzählt wird, taucht der Leser erst nach und nach in die Zukunft ein und erfährt vieles erst dann, wenn es auch die Protagonisten erfahren. Dies erhöht wesentlich die Spannung und kann oft auch zu Überraschungen führen, da einige Verläufe der Geschichte, zumindest aus meiner Sicht, nicht zu erahnen war.

Die Charaktere von Oliver, Rosa, Iris und Colin sind sehr gut ausgebaut. Man erfährt mit dem Verlauf der Geschichte immer mehr auch über die einzelnen Personen – leider erst mit dem Verlauf, zu Beginn sind die Charaktere sehr flach und oberflächlich. Bestimmte Handlungsverläufe und Unterhaltungen wirken deshalb zu Beginn etwas oberflächlich und konstruiert.

Sprachlich kann „Blätterrauschen“ zwar nicht im Besonderen herausstechen, jedoch lässt es sich sehr flüssig lesen. Man stolpert über keine unbekannten Begriffe, viele der „Zukunftswörter“ werden sofort erklärt, sogar die englischsprachigen Sätze werden sofort übersetzt. Gerade bei letzterem kommt man sich als erwachsener Leser (mit Englischkenntnissen) etwas verschaukelt vor, da wirklich auch einfachste Sätze übersetzt werden, was aber mit Blick auf die Zielgruppe, denke ich, in Ordnung ist.

„Blätterrauschen“ ist ein wirklich spannender und unterhaltsamer Jugendroman, der in eine gar nicht so unwahrscheinlich Zukunft entführt. Einziger störender Faktor sind die Schuhe eines der Mädchen, Iris Clogs. Durch das ganze Buch hindurch wird ständig von diesen Clogs gesprochen, mal bezeichnet sie jemand als hässlich, mal verliert Iris sie unterwegs – jedoch hat alles was mit diesen Schuhen zu tun hat wirklich so gar nichts mit der Geschichte zu tun, in meinen Augen ist das ständige Erwähnen also übertrieben und am Ende des Buches äußerst nervig.

[Rezension] Der Joker von Markus Zusak

Der Joker von Markus Zusak

Titel: Der Joker
Autor: Markus Zusak
Verlag: cbj
Seiten: 448
Preis: 8,99 Euro

Ed ist ein ganz normaler 18-Jähriger, der noch nichts im Leben erreicht hat. Er führt ein ganz durchschnittliches Leben, an ihm ist nichts Besonderes. Doch das ändert sich eines Tages schlagartig. Als Ed beschließt bei einem Banküberfall den Dieb zu stellen. Denn kurze Zeit darauf findet er eine Spielkarte, das Karo Ass, in seinem Briefkasten. Diese Karte ist eine von vieren, die der 18-Jährige geschickt bekommt. Immer verbunden mit Aufgaben, die Ed erfüllen muss. Sei es das Selbstvertrauen eines jungen Mädchens zu stärken oder eine Frau von ihrem gewalttätigen Ehemann zu befreien. Von Karte zu Karte werden die Aufgaben immer schwerer. Doch Ed schlägt sich wacker, setzt sich für die Menschen, zu denen ihn die Karten führen ein. Doch wer steckt hinter dem Ganzen, wer schickt ihm immer die rätselhaften Karten?

Zu Beginn wirkt der 18-jährige Ed noch sehr langweilig, vielleicht etwas wichtigtuerisch, aber keinesfalls auf irgendeine Weise besonders. Doch schon nach den ersten Kapiteln von Markus Zusaks „Der Joker“, beginnt sich der so unscheinbare Jugendliche zu verändern. Spätestens mit der ersten Karte kann der Leser bereits bemerken, welches Potenzial in dem Protagonisten eigentlich steckt. Denn das Schicksal der Personen geht ihm doch sehr nahe.

Dennoch macht es Ed nicht leicht, ihn zu mögen. Verhält er sich bei seinen ersten Aufgaben doch recht feige und schiebt die schwierigste vor sich her, so lange, bis er alle anderen schon gelöst hat. Das macht aber gerade den Charme dieses Buches und der Geschichte aus, denn gerade weil der Hauptcharakter nicht perfekt ist, sogar ziemlich viele Macken und Fehler hat, ist sie sehr authentisch und lebensnah. Der Leser kann sich leicht in Ed hineinversetzen und für sich bei den verschiedenen Aufgaben überlegen, wie er sich verhalten hätte. Letztlich geht es bei allen Aufgaben Eds um Zivilcourage oder zumindest, dass man mehr auf die Menschen in seiner Umgebung achten und sich für sie einsetzen sollte.

Markus Zusaks Schreibstil ist perfekt auf die Geschichte abgestimmt. Man könnte sagen, er schreibt so, wie Ed und die anderen Personen auch sprechen könnten. Dadurch ist es manchmal etwas für den Leser etwas verwirrend, wenn zum Beispiel in einem Gespräch nur etwas angedeutet wird oder die Personen aneinander vorbeireden. Doch das tut dem Buch keinen Abbruch, mir haben diese kleinen verwirrenden Momente sogar gefallen, da dadurch es viel realistischer ist, der Leser bekommt nicht alles fertig serviert, sondern muss auch ein klitzekleines bisschen beim Lesen nachdenken.

Wer bereits Werke von Markus Zusak wie zum Beispiel „Die Bücherdiebin“ gelesen hat und begeistert war, der wird auch von „Der Joker“ begeistert sein. Der Schreibstil ist etwas anders, dennoch besticht er wieder mit sehr vielen Details und Überraschungen und mit einer unglaublichen originellen Geschichte.

Wer noch keines von Markus Zusaks Werken gelesen hat, der wird dieses Buch ebenfalls lieben. Man muss sich an den Schreibstil etwas gewöhnen, aber nicht, weil er schwer ist, sondern weil viele aktuelle Bücher einfach anders geschrieben sind. Dort werden viele Andeutungen gemacht, oft wird gleich zu Anfang etwas verraten, was die Hauptpersonen aber erst später erfahren oder es ist vorhersehbar in welche Richtung sich der Plot entwickelt. Viele aktuelle Bücher sind einfach leichter zu rezipieren. Das ist bei „Der Joker“ meiner Meinung nach aber nicht der Fall. Denn vorhersehbar ist bei ihm bis zum Schluss nichts. Der Leser wird immer wieder überrascht, sobald er glaubt das Rätsel um die Karten gelöst zu haben und zu wissen, wie es nun weitergeht, entwickelt sich die Geschichte plötzlich in eine ganz andere Richtung.

Allerdings: Etwas unglücklich finde ich den Schluss. Keine Frage, die Auflösung des Rätsels ist grandios, erinnerte mich auch etwas an Jostein Gaarders „Sophies Welt“, dennoch wird der Leser dann damit auch ziemlich allein gelassen.

Dennoch: „Der Joker“ von Markus Zusak ist ein wunderschöner unglaublich fantasievoller Roman, der deutlich vor Augen führt, wie viel wir von unserer Umgebung nicht wahrnehmen und zeigt, dass selbst kleine Aufmerksamkeiten vielen Menschen schon helfen können. Außerdem zeigt er, dass jeder Mensch zu so etwas wie Zivilcourage in der Lage ist, er sich nur aufschwingen muss. Dieser Roman regt den Leser auf jeden Fall zum Nachdenken an und wirkt nach der Lektüre noch lange nach.

[Rezension] 2084 – Noras Welt von Jostein Gaarder

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Titel: 2084 – Noras Welt
Autor: Jostein Gaarder
Verlag: Hanser
Seiten: 192
Preis: 14,90 Euro

Nora ist 15 Jahre alt. Sie setzt sich für ihre Umwelt ein, hat sogar mit ihrem Schulkameraden und Freund Jonas eine Umweltorganisation gegründet. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag hat Nora dann seltsame Träume. Im Schlaf ist sie ihre eigene Urenkelin Nova und lebt im Jahre 2084. Die Welt hat sich verändert, viele Tier- und Pflanzenarten gibt es nicht mehr. Täglich stirbt eine weitere Art aus. Noras Urenkelin Nova ist deshalb sehr wütend. Warum hat ihre Urgroßmutter nicht schon in ihrer Jugend etwas gegen die Zerstörung der Umwelt unternommen? Und dann passiert etwas unvorstellbares in einem von Noras Träumen: Sie selbst, natürlich schon sehr alt, kommt zu ihrer Urenkelin und verspricht ihr, dass die Welt eine zweite Chance bekommt, dazu dreht sie ihren alten Ring, der seit Hunderten von Jahren schon im Familienbesitz ist. Als sie aufwacht, macht sich Nora Gedanken, wie sie dem Wunsch ihrer Urenkelin, die Tier- und Pflanzenwelt für die Nachwelt zu erhalten, nachkommen kann. Jonas hat dann die rettende Idee – doch wird sie wirklich die Zukunft, von der Nora geträumt hat ändern?

Nora ist ein Kind ihrer Zeit, sie ist von der Technisierung unserer Welt genauso geprägt, wie viele andere. Das Smartphone gehört für sie ebenso zum Alltag dazu wie das Essen, das jeden Tag auf dem Tisch steht. Doch Nora denkt auch über ihre Zeit nach. Besonders die Umweltverschmutzung, die Auswirkungen des Klimawandels und das Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten stehen im Mittelpunkt ihres Interesses. Doch sie ist und bleibt ein Kind. Und somit fühlt sie sich, oft zu Recht, ohnmächtig all dessen, was geschieht und auf das sie nicht einwirken kann. Gerade das macht sie als Hauptfigur so sympathisch. Sie ist einerseits gewissenhaft und unglaublich fixiert auf die Zerstörung der Umwelt, andererseits aber ist sie eine normale Schülerin, die sich mit ihrem Freund in einer kleinen Waldhütte trifft.

Ganz klar befindet sich die Protagonistin Nora im Buch in einer Aufbruchstimmung. Sie steht kurz vor ihrem 16. Geburtstag, viele Jugendliche haben da das Gefühl erwachsen zu werden. Bei Nora kommt hinzu, dass sie das Gefühl hat schnell etwas unternehmen zu müssen, bevor die Welt sich unwiderruflich verändert.

Jostein Gaarder beschreibt Nora, ihre Gedanken und auch ihre Mitmenschen sehr detailliert, so dass sie einem schnell ans Herz wachsen. Lediglich sehr nebensächliche Personen, wie beispielsweise Noras oder auch Novas Eltern werden kaum eingeführt und beschrieben. Wesentlich stärker liegt der Fokus auf den Gedanken Noras und ihres Freundes Jonas zur Rettung der Tier- und Pflanzenwelt. Man merkt: Nora (und wahrscheinlich auch Gaarder) hat sich viele Gedanken gemacht, die aktuellen Diskussionen zur Klimaerwärmung beobachtet und daraus auch versucht die Folgen für die Zukunft zu erkennen.

„2084 – Noras Welt“ spiegelt nicht nur unsere Zeit wieder, sondern macht auch sehr klar deutlich, wie nah am (symbolischen) Abgrund wir stehen, dass es, wie Nora so treffend im Buch sagt, nicht erst fünf vor zwölf ist, sondern schon um zwölf und wir etwas tun müssen, damit nicht nur unsere Kinder, sondern auch unsere Enkel und Urenkel die Vielfalt unserer Welt noch erleben können.

[Rezension] Die Brautprinzessin von William Goldman

Die Brautprinzessin

Titel: Die Brautprinzessin
Autor: William Goldman
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 426
Preis: 14,95 Euro

Eine wahrhaft märchenhafte Geschichte von wahrer Liebe, Verrat und Betrug, mit Bösewichten, mutigen Kämpfern und schönen Prinzessinnen: Butterblume wächst auf einem Bauernhof auf. Umso mehr sie heranwächst, umso schöner wird sie auch, bis sie irgendwann als die schönte Frau auf der ganzen Welt gilt. Das ist Butterblume aber recht egal, denn sie will nur eins – Westley, den Stalljungen, in den sie sich verliebt hat. Doch dieser will Butterblume nicht heiraten, bevor er nicht in Amerika reich geworden ist, um ihr das Leben bieten zu können, das sie verdient. Auf dem Weg nach Amerika verunglückt Westley nun und Butterblume soll Prinz Humperdinck, den Herrscher über das Land, heiraten. Doch da wird Butterblume plötzlich entführt.

Neben dieser Geschichte gibt es jedoch noch eine zweite. Eine Art Rahmenhandlung, die von dem Schriftsteller William Goldman erzählt, der Butterblumes Geschichte von S. Morgenstern „auf die spannenden Teile“ gekürzt hat. Einst vom Vater während einer langen Krankheit mit diesem Märchen unterhalten, wollte Goldman, so erzählt er, auch seinem Sohn diese schöne Geschichte näherbringen und muss dabei feststellen, dass das Buch zahlreiche Passagen aufweist, die für einen jungen Leser weniger interessant, ja nahezu langweilig, wirken. Und so beginnt er die Geschichte neu zu bearbeiten.

So werden dem Leser zwei Geschichten erzählt, die eine augenscheinlich von William Goldman, die andere von S. Morgenstern. Dass Butterblumes Geschichte ein Märchen ist, also Fiktion und nicht wirklich auf Tatsachen beruhend, ist ziemlich offensichtlich. Anders verhält es sich dabei mit der Goldman-Geschichte, die zahlreiche biographische Daten enthält und zumindest den Anschein erweckt, als ob es sich dabei um eine wahre Geschichte handelt. Inwieweit diese auch glaubhaft ist, das muss der Leser selbst herausfinden.

Der Leser ist also permanent dabei gespannt die Handlung Butterblumes Geschichte zu verfolgen und herauszufinden inwieweit nun das Buch von Goldman geschrieben wurde, wer S. Morgenstern (der angebliche Originalautor) und was an Goldmans Geschichte wirklich stimmt.

An Spannung und Unterhaltung entbehrt dieses Buch auf jeden Fall nicht. Allerdings kann das ewige Rätselraten und Zwischen-den-Geschichten-Wechseln auf die Dauer etwas anstrengend sein. Zum Ende hin wird es sogar sehr unbefriedigend, da die Geschichte an der spannendsten Stelle aufzuhören scheint – und so viel sei schon einmal verraten: es gibt auch KEINE Fortsetzung der Brautprinzessin.

Alles in allem ein Buch, das den Leser sehr zwiegespalten zurücklässt. Zum Einen ist die Geschichte um Butterblume wirklich spannend und wer Märchen mag, der wird sie auf jeden Fall lieben, da sie mit zahlreichen spannenden und unerwarteten Wendungen aufwartet. Zum Anderen fühlt sich der Leser der Willkür des Autors ausgesetzt. Generell liegt die Macht darüber, was dem Leser als „Wirklichkeit“ präsentiert wird, auch über den Autor selbst, beim Autoren. Nur wird in anderen Büchern das nicht so deutlich gemacht. In „Die Brautprinzessin“ nun wird der Leser quasi vorgeführt, wie leicht er sich zum Teil auch hinters Licht führen lässt, wie schnell er etwas als gegeben hinnimmt, was geschrieben vor ihm liegt.

So liegt das Herausragende an „Die Brautprinzessin“ nicht in deren Handlung per se, sondern darin, dass sie dem Leser einmal wieder bewusst macht, wie leicht es doch ist ihn zu beeinflussen.

[Rezension] Rumo und die Wunder im Dunkeln von Walter Moers

Rumo und die Wunder im Dunkeln

Titel: Rumo und die Wunder im Dunkeln
Autor: Walter Moers
Verlag: Piper
Seiten: 704
Preis: 12,99 Euro

Käpt’n Blaubär kennt fast jedes Kind und viele Fantasyfreunde haben sich schon auf den Weg in die Stadt der träumenden Bücher begeben – Walter Moers hat mit seinen Zamonienromanen schon viele Leser in seinen Bann gezogen. Einen ganz besonderen (kleinen) Held hat er mit „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ erschaffen.

Der kleine Wolpertinger (ein Hund mit Hörnern) Rumo wird von seiner Ziehfamilie gepflegt und verhätschelt. Bis eines Tages plötzlich Teufelszyklopen über das Dorf, in dem Rumo und seine Familie leben, überfallen. Alle werden von den Zyklopen auf deren Insel verschleppt, wo sie in einer Höhle eingeschlossen werden. Als lebender Vorrat an Nahrung für die Kreaturen. Als einziger kann sich Rumo in der Höhle frei bewegen und lernt so Smeik kennen. Dieser lehrt Rumo nicht nur das Sprechen, sondern bringt ihm auch das Kämpfen bei. Zusammen schmieden sie einen Plan, um aus der Gefangenschaft der Zyklopen zu entkommen.

Doch was hier schon klingt wie die Zusammenfassung eines ganzen Romans, ist nur der Auftakt zu Rumos Abenteuern. Denn, entkommen aus der Gefangenschaft, begibt sich Rumo auf die Spur des silbernen Fadens, den er vor seinem Auge sehen kann, und der ihm den Weg in die Stadt der Wolpertinger, seiner Artgenossen, leitet. Dort trifft er auf die wunderschöne Rala. Hals über Kopf verliebt er sich in sie, doch dann ist Rala mit allen Wolpertinger plötzlich eines Tages wie vom Erdboden verschluckt. Nur ein großes Loch klafft in der Mitte der Stadt. Nun beginnt Rumos eigentliches Abenteuer. Auf der Suche nach Rala und seinen Freunden begibt er sich unter die Erdoberfläche in ein labyrinthisches und gefährliches Reich.

Rumo überzeugt damit mit viel Charme und Mut, wenn der Leser ihn zwischenzeitlich auch einmal ohrfeigen möchte, weil bei ihm einfach nicht der Groschen fällt. Aber gerade auch das spricht für dieses Buch. Von der erste bis zur letzten Seite fühlt der Leser mit Rumo und den anderen Figuren mit.

Walter Moers beschreibt eine fantastische Welt, Zamonien, voller ungewöhnlicher Lebewesen so genau, dass man sie wirklich vor seinem inneren Auge sehen kann. Teilweise schweift er da etwas ab, besonders wenn es um die Beschreibung einer der Städte, dessen Bewohner oder der Geschichte geht. Aber: Da sieht man, wie genau er sich mit der Welt, in der der Roman spielt, beschäftigt hat.

Für Leser, die bereits weitere Romane von Walter Moers kennen, wird es in „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ ein Wiedersehen mit einigen bekannten Personen geben, wie Doktor Abdul Nachtigaller, Volzotan Smeik oder Hildegunst von Mythenmetz. Ein Vorwissen ist aber nicht nötig. Es gibt kaum Anspielungen auf den Inhalt der anderen Bücher, sprich wer noch keines der Zamonien-Bücher gelesen hat, wird nicht heillos verwirrt sein, sondern kann die Geschichte genauso genießen und ihr folgen wie Leser, die Zamonien bereits kennen. Dazu kommt, dass Moers nicht mit Erklärungen spart, sei es zu Zamonien oder den Lebewesen, die dem Leser im Laufe der Handlung begegnen.

„Rumo und die Wunder im Dunkeln“ ist ein wundervoll fantasievoller Roman, bei dem ein Abenteuer das nächste jagt, aber auch die Romantik nicht zu kurz kommt. Ein Fantasyroman vor allem für „große Kinder“, der sich nicht hinter Tolkien und Co verstecken muss (aber das muss Walter Moers schon lange nicht mehr).

[Rezension] Die Quelle von Uwe Schomburg

Cow Parsnip Meadow and Country House

Titel: Die Quelle
Autor: Uwe Schomburg
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 494
Preis: 8,99 €

Was passiert, wenn das europäische Stromnetz zusammenbricht?

Deutschland im Jahre 2016. Über Nacht bricht das gesamte Stromnetz zusammen. Blackout. In ganz Europa. Das Chaos wächst mit jeder Stunde, von Tag zu Tag. Der Bootsbauer Benn und seine Frau Francesca segeln vor der deutschen Ostseeküste und merken nichts von dem Stromausfall, der ganz Europa im Dunkeln sitzen lässt. Ahnungslos retten die Beiden einen jungen Mann vor dem Ertrinken. Dieser Mann ist Wissenschaftler und forscht an einem geheimen Projekt, das direkt mit dem Blackout in Zusammenhang steht. Diesen Wissenschaftler versuchen Unbekannte zu entführen, denn wer seine Erfindung in den Händen hält, der hat die Macht über die Energieversorgung der Zukunft. Zu Beginn ahnen Benn und seinen Frau nichts davon, doch nach und nach werden sie immer mehr in das Ränkespiel der Weltmächte hineingezogen. Sie müssen feststellen, dass es in diesem Spiel keine Grenzen gibt und das Leben eines Einzigen nicht zählt.

Ein Zukunftsthriller mit einer Prise Verschwörungstheorie, das ist das Rezept für Uwe Schomburgs Roman „Die Quelle“. Schomburg gibt einen nicht gerade rosaroten Ausblick in die Zukunft Deutschlands und Europas.
Die Quelle scheint eine direkte Reaktion auf die nie enden wollenden Debatten zur Atompolitik zu sein. So zeigt Schomburg was passiert, wenn sich die Menschen keine Gedanken um die Energieversorgung machen und welchen hohen Stellenwert eine Erfindung hat, die mit der Lösung aller Energieprobleme winkt.

Der deutsche Autor wirft mit diesem Buch einen Blick hinter die Fassade der Machthabenden und Strippenzieher in Punkto Energiegewinnung und –versorgung. Schomburg zeigt, wie im wahrsten Sinne des Wortes dunkel es in ein paar Jahren in Europa aussehen könnte, wenn nicht langsam auf regenerative Energiequellen zürückgegriffen wird.

Verschwörungstheorien gibt es viele, sei es das angebliche Landen von Außerirdischen auf amerikanischen Wüstenbasen, komplex strukturierte Attentate auf Prominente oder auch das schlichte Verneinen der Existenz ganzer Städte. In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich zunehmend mehr Komplottvermutungen. Auch in Büchern, wie zum Beispiel Illuminati von Dan Brown und Die Firma von John Grisham werden Verschwörungstheorien aufgegriffen. „Die Quelle“ ist ein deutscher Thriller, der den amerikanischen Pendants in nichts nachsteht.

Anmerkung: Das Buch gibt es beim Verlag nur noch als Ebook für 7,49 Euro.

[Rezension] Heute, morgen und für immer von Anke Greifeneder

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Titel: Heute, morgen und für immer
Autor: Anke Greifeneder
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 351
Preis: 7,99 Euro

Wenn Frau nicht nur in einen Mann sondern gleich in zwei verliebt ist…

Clara ist eine junge erfolgreiche Pianistin. Zurück in München von zahlreichen Konzerten auf der ganzen Welt, möchte sie nun sesshaft werden und als Dozentin am Konservatorium arbeiten. Zu dieser Zeit lernt sie in einer Kunstgalerie den Künstler Jasper kennen. Er ist so ganz anders als Clara, deren Leben in geregelten Bahnen, immer nach Plan und geradlinig verlaufen ist. Dann lernt Clara seinen Bruder Valentin kennen und sofort ist es um sie geschehen. Sie hat Gefühle für beide Brüder, kann sich aber nicht entscheiden, was sie tun soll. Plötzlich hat sie auch noch Schmerzen in ihrer linken Hand, die sich verheerend auf ihre Bewerbung am Konservatorium auswirken könnten. Und dann ist da noch das Waldhaus, in dem sie aufgewachsen ist, das von ihrer Omi geführt wird, langsam aber den Bach heruntergeht. Das kann ja nur in einer großen Katastrophe enden…

„Heute, morgen und für immer“ ist eine herrlich spritzige und romantische Geschichte. Perfekt für zwischendurch oder für den Urlaub. Anke Greifeneder erzählt Claras Geschichte sehr humorvoll und mit einer Liebe zum Detail, so dass der Leser schnell einen Zugang zum Inhalt und zu den Charakteren findet. Der Schreibstil ist sehr flüssig, anschaulich und unterhaltend. Einzig die Wiederholungen von Sachverhalten an einigen Stellen stören den Lesefluss, da sie meist auch ähnlich formuliert sind und in der Handlung keine neue Wendung oder Sichtweise geben.

Was diesen Roman so besonders macht: Die Protagonistin ist sehr selbstständig und folgt ihren Prinzipien – bis sie die beiden Brüder kennenlernt und nicht mehr weiß, was denn nun richtig ist. Daneben steht die Geschichte rund um das Waldhaus und dessen Schicksal.

Einerseits könnte man also sagen es handelt sich bei „Heute, morgen und für immer“ um einen klassischen Frauenroman. Er ist alles andere als tiefgründig, dafür aber sehr unterhaltsam. Andererseits ist die Handlung rund um Clara etwas Besonderes, denn die Pianistin steht mitten im Leben, ist weder eine dieser erfolgsversessenen Diven noch ein schüchternes Mauerblümchen oder eine, die sich wie ewig wie 18 fühlt oder aufführt. Das macht sie so sympathisch.

Anke Greifeneder hat einen unterhaltsamen deutschen Roman geschrieben, der auch etwas von der Münchener Kultur und der Musikerszene vermittelt.

Anmerkung: Das Buch gibt es beim Verlag nur noch als Ebook für 5,99 Euro.

[Rezension] Miss Krassikowski von Anja Fröhlich

Miss Krassikowski

Titel: Miss Krassikowski
Autor: Anja Fröhlich
Verlag: PINK!
Seiten: 160
Preis: 9,99 Euro

Paulina, von allen nur Miss Krassikowski genannt, hat es echt schwer – findet sie. Zuhause gehen ihr ihre Mutter (die Chefin) und ihre ältere Schwester (die Vizechefin) auf die Nerven und in der Schule lässt sie ihr Klassenlehrer Gottfried Hartkopf-Heiligenhaus nicht in Ruhe. Und das nur, weil sie Mathe nicht versteht und er ihre Zeichnungen nicht als Kunst ansieht. Aber so richtig schlimm wird es erst, als „die Chefin“ nach ihrem 40. Geburtstag zu einer Wahrsagerin geht. Das Chaos nimmt seinen Lauf. Und Paulina steckt mittendrin und versucht wieder alles ins Lot zu bringen. Doch das ist für eine 13-Jährige gar nicht so leicht.

„Miss Krassikowski“ ist ein unglaublich witziger Jugendroman. Die Probleme junger Mädchen werden auf eine komischer aber auch berührende Art und Weise vermittelt. Sowohl Freundschaft, Familie und die erste große Liebe bis hin zu den kleinen Schwierigkeiten in der Schule werden thematisiert.

Die Charaktere in diesem Buch, ob nun Paulina, die Chefin oder auch der versnobte Klassenlehrer, werden so beschrieben, das der Leser sie sofort vor sich stehen sieht. Ihren Teil dazu tragen auch die liebevoll gestalteten Illustrationen von Silke Schmidt bei. Sie geben der Geschichte an so manchen Stellen auch noch den richtigen Witz. Und passen perfekt zum Schreibstil der Autorin Anja Fröhlich. Denn sie sind jugendlich, witzig und mit einem Hang zur Dramatik. Genauso wie Jugendliche selbst ihre Probleme darstellen würden.

Auch wenn dieser Roman für Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren empfohlen wird, so heißt das nicht, dass ältere Leser nichts mehr mit ihm anfangen können. Denn als Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch ideal, zum Lachen, Weinen und einfach nur mitfühlen, ohne dass man groß drüber nachdenken müsste.

Ein wunderschönes Jugendbuch mit tollen Illustrationen, dass auf humorvolle Art über die kleinen und großen Probleme von jungen Mädchen schreibt – und dem ganz alltäglichen Wahnsinn in einem Frauenhaushalt.

Miss Krassikowski hat aber noch mehr zu erzählen:
Band 2: Miss Krassikowski Vol. 2
Band 3: Miss Krassikowski Vol. 3