[Rezension] Mein hungriges Herz von Agnès Desarthe

Mein hungriges Herz

Titel: Mein hungriges Herz
Autor: Agnès Desarthe
Verlag: Knaur
Seiten: 336
Preis: 8,94 Euro

Ein kleines Restaurant. Eine außergewöhnliche und verträumte Inhaberin. Ein Viertel, in dem jeder willkommen geheißen wird. Das sind die Zutaten für Agnès Desarthes Roman „Mein hungriges Herz“. Im Mittelpunkt steht die etwas verwirrte, verträumte aber grandios kochende Myriam. Sie erfüllt sich einen Lebenstraum und eröffnet das Chez Moi, ein kleines französisches Restaurant. Ein Konzept hat sie nicht, sie will einfach nur ihre Gerichte kochen und die Menschen damit erfreuen. Dass das nicht reicht, um ein Restaurant erfolgreich zu machen, ist klar. Hilfe kommt da von ungewöhnlicher Seite. Myriams Nachbarn und Gäste greifen ihr unter die Arme, geben Tipps oder ein paar Hinweise und suchen ihr sogar einen Kellner. Schnell wird jedoch klar, Myriam hat nicht einfach nur so ein Restaurant eröffnet. Sie wurde von ihrer Familie, ihrem Mann und ihrem Sohn, verstoßen und brauchte eine neue Richtung in ihrem Leben. Doch so ganz kann sich Myriam nicht von ihrer Vergangenheit lossagen, so gerne sie es auch möchte und so oft sie sich in ihre Träume flüchtet. Denn irgendwann steht ein junges Mädchen in der Tür – und sie weiß von Myriams Vergangenheit.

Süße Verführungen, herzhafte Köstlichkeiten, exotische Gaumenfreuden – Myriam liebt Essen, das merkt der Leser sofort. Doch, dass es in „Mein hungriges Herz“ nicht ums Essen geht, das wird einem ziemlich schnell klar. Denn der Roman, in dem ausschließlich Myriam erzählt, beschäftigt sich mehr mit deren Innenleben. Myriam ist von ihrer Tat, die ihre Familie sie verstoßen ließ, regelrecht gefangen. Immer wieder kommt sie darauf zu sprechen, verliert sich in Andeutungen darüber und schweift somit von der eigentlichen Handlung ab. Was dem Leser schon früh klar wird: Die Protagonistin kann sich selbst nicht verzeihen und glaubt deswegen auch nicht daran, dass es zum Beispiel ihr Sohn könnte.

Aber: Machen die vielen Andeutungen auf Myriams früheres Vergehen am Anfang noch einen Teil der Spannung aus, so wird es mit dem Verlauf des Romans doch zu einer wahren Geduldsprobe. Da ausschließlich Myriam erzählt, erfährt der Leser nicht mehr, als das, was sie bereit ist preiszugeben. Und gerade ihr „Vergehen“ verdrängt sie immer wieder, so, dass auch der Leser erst kurz vor Schluss, als Myriam sich erlaubt daran zu denken, erfährt, was sie denn getan hat. Doch dann entpuppt sich ihr „Vergehen“ als geringer, als es der Leser annehmen könnte. Denn nachdem fast das ganze Buch über die Spannung immer mehr gesteigert wurde, würde man auch mit einem wirklich unverzeihlichen, unglaublich schrecklichen oder verstörenden Vorfall rechnen – doch nichts da.

Daneben gerät die eigentliche Handlung, also der Aufbau des Chez Moi, immer mehr aus dem Fokus. Nur eingeworfen wirken die Passagen, in denen der Fortschritt in dem Restaurant beschrieben wird. So bleibt das Restaurant und das Geschehen in diesem doch äußert blass. Der Wert liegt in „Mein hungriges Herz“ eindeutig auf Myriams inneren Konflikten und ihren Träumen, die eng mit diesen verbunden sind.

Auch der Schreibstil hat etwas Traumhaftes. Zu Beginn ist er noch recht nüchtern, Myriam ist gerade erst in ihrem Restaurant angekommen und richtet sich dort ein. Doch umso mehr sie auch im Restaurant vorankommt, umso stärker wird ihr innerer Konflikt offen gelegt und umso mehr wendet sich Myriam und damit auch der Schreibstil den Träumen hin. Das geht so weit, dass am Schluss nicht mehr wirklich zu unterscheiden ist, was davon der Wirklichkeit im Restaurant entspricht und Myriams Träumen.

„Mein hungriges Herz“ ist ein feinfühliger und sehr verträumter Roman, der etwas Geduld vom Leser verlangt, dafür aber mit einer wunderbaren sympathischen Protagonistin aufwartet, die mit ihrer Verschrobenheit, ihrer Fehler und ihrem ganzen Wesen den Roman lebendig werden lässt.

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[Rezension] Der Poliziotto von Uli T. Swidler

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Titel: Der Poliziotto
Autor: Uli T. Swidler
Verlag: Rowohlt
Seiten: 320
Preis: 9,99 Euro

Roberto Rossi ist Poliziotto – Verkehrspolizist – in dem kleinen italienischen Städtchen Urbino. Er regelt den Verkehr und ist damit voll und ganz zufrieden. Doch eines Tages findet er in einer Zisterne, seinem geheimen Ruheort, eine Frauenleiche. Ein Giftmord offenbar. Da alle anderen Polizisten von einem Darmvirus außer Gefecht gesetzt wurden wird ausgerechnet Roberto Rossi mit der Aufklärung des Falls betraut. Dieser macht sich mehr schlecht als Recht an die Ermittlung. Mit Hilfe von Freunden und Bekannten, die ihm etwas schulden kommt er dem Mörder jedoch immer weiter auf die Spur. Da wären aber auch noch sein Chef, der einen Verdächtigen deckt und die Mutter des Opfers, die vorgibt nichts zu wissen, die die Ermittlungen fast im Sand verlaufen lassen. Doch dann findet Roberto Rossi das Handy der Verstorbenen und plötzlich ist der Kreis der Verdächtigen deutbar kleiner geworden.

„Der Poliziotto“ von Uli T. Swidler ist ein etwas anderer Kriminalroman. Der Ermittler ist hier nicht wie üblich ein hervorragend geeigneter Ermittler, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er ist ein fauler, etwas jähzorniger kleiner Verkehrspolizist, der mit sich und seinen Problem beschäftigt ist und kaum einen Gedanken an seinen Fall verschwendet.

Der deutsche Autor lebt seit mehreren Jahren in Italien. Viele Eindrücke über die Menschen und die Lebensart haben Eingang in dieses Buch gefunden. Eingeflochten in die Dialoge sind immer auch einige italienische Begriffe. Besonders Flüche und Schimpfwörter^^

[Rezension] Er ist wieder da von Timur Vermes

Er ist wieder da

Titel: Er ist wieder da
Autor: Timur Vermes
Verlag: Eichborn
Seiten: 396
Preis: 19,33 Euro

Er ist wieder da! Auf einem Grundstück mitten in Berlin wacht Adolph Hitler auf. Nach einem kurzen Nickerchen, wie der einstmalige Führer glaubt. Doch tatsächlich ist er so mir nichts dir nichts im 21. Jahrhundert gelandet. Und das ist auch für einen Adolph Hitler eine ganz schöne Herausforderung. Ohne seinen alten Stab an seiner Seite. Sich in das neue Deutschland einzufügen dauert für den ehemaligen Führer des Großdeutschen Reiches aber nicht lange. Und schon startet er eine neue Karriere als Fernsehstar. Mit den alten Parolen – und wird von dem deutschen Publikum gefeiert. Nur die, von denen man glauben könnte, dass sie erfreut über das Auftauchen Hitlers sind, die Neonazis, können sich nicht so recht mit ihm und seiner Show anfreunden. Nichtsdestotrotz Adolph Hitler arbeitet zum zweiten Mal an seinem Aufstieg und kommt immer weiter.

Kann man über Hitler lachen? Nun, einige Comödianten sind der Meinung. Doch „Er ist wieder da“ ist nicht einfach nur wie die Hitler-Parodien im Fernsehen. Dieses Buch ist erschreckend plausibel. Die geschilderten Erlebnisse im neuen Berlin unserer Zeit werden so treffend beschrieben, dass beim Lesen das was erst nur komisch und ein wenig irreal erschien, plötzlich gar nicht mehr so undenkbar wirkt.

Die Gestalt Adolph Hitlers und der anderen Protagonisten wird beim Lesen sehr deutlich, letzten Endes liegt dies vor allem am Schreibstil Timur Vermes‘. Denn er beschreibt die Gedanken der Personen und besonders Hitlers so gut, dass der Leser sich direkt hineinversetzt fühlt in die Person. Für viele, die die Zeit unter Hitler noch erlebt haben, könnte aber gerade das eher verstörend sein.

Aber: Besonders gut ist es dem Autor gelungen, dass das Buch keineswegs programmatisch wirkt. Es verherrlicht weder das was Adolph Hitler vor mehr als einem halben Jahrhundert getan hat, noch nimmt es es zu sehr auf die leichte Schulter. Denn „Er ist wieder da“ ist kein Buch, dass die Geschehnisse der NS-Zeit aufarbeitet. Vielmehr wirft es einen schonungslosen Blick auf unsere heutige Gesellschaft, dominiert von Medienkonsum, Einschaltquoten und Gefällt mirs.

„Er ist wieder da“ ist ein humorvoller Roman, voller beißender Satire, der uns unsere konsumsüchtige und mediengeile Gesellschaft vor Augen führt. Am Rande zeigt dieses Buch, dass Deutschland auch nach rund 70 Jahren noch nicht mit seiner Geschichte abgeschlossen hat. Vielleicht gerade deshalb lässt sich über dieses Buch so trefflich streiten – ist es nun witzig, oder sollte die deutsche Satire vor der unsichtbaren Grenze NS-Zeit und Hitler immer noch zurückschrecken?

[Rezension] Das Schmetterlingsmädchen von Laura Moriarty

Das Schmetterlingsmädchen

Titel: Das Schmetterlingsmädchen
Autor: Laura Moriarty
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 463
Preis: 9,99 Euro

Mitten in den goldenen 20er Jahren: Cora Carlisle führt ein beschauliches Leben in einem kleinen Städtchen in Kansas. Ihre beiden Söhne sind aus dem Haus. Nur noch sie und ihr Mann Alan bewohnen ihr großes Haus. Cora vertreibt sich ihre Zeit mit Kaffeekränzchen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und ehrenamtlicher Tätigkeit. Doch dann sucht die als arrogant geltende Myra Brooks eine Anstandsdame für ihre Tochter Louise, die mit dem 15-jährigen Mädchen nach New York fahren soll, wo das Kind eine berühmte Tanzschule besuchen wird. Cora fackelt nicht lange und bewirbt sich für die Stelle. Und bekommt sie. Kurze Zeit später schon kommt sie mit dem Zug und Louise Brooks in New York an. Und während das Mädchen, das später zu einer der größten Stummfilmikonen werden soll, an der Tanzschule ihr bestes gibt, wandert Cora durch die Straßen New Yorks. Auf der Suche. Denn Cora verbindet etwas Besonderes mit dieser Stadt…

Ein Buch, das mitten in den goldenen Zwanzigern spielt. Und genauso schillernd und voller Umbrüche, wie uns heute diese Zeit scheint, ist auch dieses Buch. Man begegnet der jungen Louise, die aus den alten Konventionen ausbrechen will. Sie wirkt moderner als viele der anderen Figuren, vertritt sie doch viele Anschauungen, die heute normal sind, über die zum Teil niemand mehr nachdenken würde, die aber in den 20er Jahren einen wahren Tabu-Bruch darstellten. Ihr gegenüber steht die etwa 20 Jahre ältere Cora. Sie ist ein Kind ihrer Zeit und tief verwurzelt in den alten Anschauungen. Besonders am Anfang wirkt sie deswegen eher spröde und prüde. Das macht es auch dem Leser schwer sich mit ihr zu identifizieren. Doch nach und nach, umso mehr man über Cora und ihre Lebensumstände weiß, schleicht sich ein Gefühl des Verständnisses ein. Und zum Ende hin (ohne hier zu viel verraten zu wollen) wird Cora zu einer sehr modernen und unkonventionellen Frau.

Gerade die Entwicklung der Cora ist deshalb umso erstaunlicher. Der Leser begleitet sie auf ihrem Weg und erhält dabei auch Einblicke in die damalige Zeit. Dazu gehört auch Louise Brooks. Das Mädchen, aus dem später eine der Stummfilm-Ikonen der Zeit wurde, beschäftigt Cora ihr ganzes Leben lang und zieht sich damit auch durch das Buch. Über Cora erfährt der Leser, wie es mit der ambitionierten Tänzerin weiterging. Und wie sich die Entwicklung des Filmes, weg vom Stummfilm zu den großen Blockbustern, die wir kennen, auch auf die Karriere und das Leben der Louise Brooks ausgewirkt hat.

Anders, als man vielleicht beim Lesen des Klappentextes glauben mag, geht es nicht vornehmlich um Louise Brooks. Vielmehr ist „Das Schmetterlingsmädchen“ die Familiengeschichte der Cora. Die auf eindrückliche Weise auch die sich im Umbruch befindliche Zeit widerspiegelt. Aber gerade die Schilderungen von Louise machen den Leser neugierig auf die Stummfilm-Ikone, von der bestimmt noch nicht viele vorher gehört haben. Ich zumindest habe mir im Anschluss an das Buch erst einmal einige Videos im Internet mit ihr angeschaut.

„Das Schmetterlingsmädchen“ von Laura Moriarty ist ein wundervoller Roman, der mit seiner bildhaften Sprache auf eindrückliche Weise die 20er Jahre vor den eigenen Augen wieder aufleben lässt, und die Veränderungen in der Gesellschaft anhand der traurigen Geschichte der Cora beschreibt.

[Gewinnspiel] Die Gewinner stehen fest

Ihr Lieben,

vielen Dank, dass ihr alle bei meinem Gewinnspiel zum Welttag des Buches vergangenes Wochenende mitgemacht habt! Habt ihr auch Aktionen veranstaltet? Einige hatten es in den Kommentaren bereits angemerkt 😉

Ich habe nun die Gewinner ausgelost. Insgesamt gab es 16 Einsendungen, davon haben einige bei beiden Büchern am Gewinnspiel teilgenommen.

Zu gewinnen gab es:
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Die Gewinner habe ich per random.org auslosen lassen.

Buch Nummer eins, „Das Haus der vergessenen Kinder“, hat Lina gewonnen.
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Buch Nummer zwei, „Seelenkuss“, geht an Bella.
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Ich wünsche beiden Gewinnerinnen viel Spaß bei der Lektüre 🙂 Die Bücher machen sich in der kommenden Woche auf den Weg.

[Gewinnspiel] Blogger schenken Lesefreude

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Einen schönen Welttag des Buches!

Wie bereits angekündigt, möchte ich zum Welttag des Buches euch eine Freude machen – und verlose auf meinem Blog zwei Bücher.

Ausgesucht habe ich mir dafür:
Seelenkuss“ von Lynn Raven und „Das Haus der vergessenen Kinder“ von Christopher Ransom.

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In „Seelenkuss“ geht es um:

Prinzessin Darejan erkennt ihre Schwester nicht wieder. Die mitfühlende Königin Seloran scheint plötzlich eiskalt geworden zu sein, und den rätselhaften Gefangenen, den sie in ihrem tiefsten Kerker versteckt, behandelt sie ungewöhnlich grausam. Angeblich sei er ein Spion der Nordreiche. Doch dann entdeckt Darejan eine schreckliche Wahrheit: Der finstere Magier Ahoren hat Besitz von Königin Selorans Körper ergriffen und baut eine Armee von Schattenkriegern auf, um das Königreich zu unterwerfen. Und plötzlich ist Darejan selbst auf der Flucht, zusammen mit dem angeblichen Spion. Er gehört dem Geheimorden der DúnAnór an, die als Einzige in der Lage sind, Ahoren zu bannen. Doch der Gefangene hat sein Gedächtnis verloren. Und zudem scheint er Darejan zu hassen. Das ungleiche Paar begibt sich auf eine Suche voller tödlicher Gefahren …

In „Das Haus der vergessenen Kinder“ geht es um:

Wie ein Magnet zieht es Conrad Harrison an, das unbewohnte viktorianische Haus in einem abgelegenen Dorf in Wisconsin. Ohne lange zu überlegen, kauft er es. Zusammen mit seiner Frau Joanna möchte Conrad hier eine Familie gründen und so ihre kriselnde Ehe retten. Doch was die beiden nicht ahnen: Das Haus birgt dunkle Geheimnisse, und die Geister der Vergangenheit finden keine Ruhe.

Wie könnt ihr nun am Gewinnspiel teilnehmen?
Das ist ganz einfach: Hinterlasst mir einfach bis zum 24.04.2016 um 24 Uhr hier oder auf Facebook einen Kommentar. Bitte gebt dabei eure E-Mail-Adresse an, damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen kann. Eine Teilnahme per E-Mail an legibilis@yahoo.de ist ebenfalls möglich.

Teilnehmen können alle Personen mit einem festen Wohnsitz in Deutschland, die über 18 Jahre alt sind.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wenn ihr sehen wollt, was andere Blogs so veranstalten – hier geht es zu einer Liste aller teilnehmenden Blogs.

[Aktion] Blogger schenken Lesefreude

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Ihr Lieben, am 23. April (in der nächsten Woche!) ist Welttag des Buches. Fast hätte ich vergessen mich rechtzeitig noch für die supertolle Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ mit anzumelden.

Nachdem ich im vergangenen Jahr nicht mitgemacht hatte, weil einfach viel zu viel Stress war, wollte ich unbedingt dieses Jahr wieder mitmachen. Zum einen weil mein Blog Ende des Jahres umziehen musste und ich bei WordPress hier nun noch einmal neu gestartet bin, zum anderen, weil ich die Idee am Welttag des Buches anderen Menschen die eigene Lesefreude näherzubringen wirklich toll finde.

Was genau ist nun „Blogger schenken Lesefreude“?

Nun, 2013 initiierten die beiden Buchblogger Dagmar und Christina die Aktion. Auslöser war damals, dass die Aktion „Lesefreude verschenken“ des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen ausfiel. In den Jahren davor waren von diesen Bücherpakete zur Verfügung gestellt worden, die von zuvor für die Aktion angemeldeten Bücherliebhabern an andere Menschen verschenkt werden konnten. Dagmar und Christina wollten etwas Besonderes zum Welttag des Buches machen und kamen so auf die Idee als Blogger in Anlehnung an die Aktion des Börsenvereins und der Stiftung Lesen Bücher zu verschenken. Und alleine macht das Ganze nur halb so viel Spaß, also riefen sie alle Blogger auf mitzumachen. Die Aktion wurde ein voller Erfolg – überall wurde darüber berichtet, hunderte Blogger meldeten sich und verlosten Bücher. Ich selbst war auch mit dabei und es machte unglaublich Spaß daran teilzuhaben und eines meiner „Herzensbücher“ an einen anderen Menschen weitergeben zu können.

In diesem Jahr gibt es nun eine kleine Änderung: Es werden nicht mehr nur Gewinnspiele veranstaltet, sondern zahlreiche andere Aktionen, um Lesefreude weiterzuvermitteln. Das finde ich wirklich toll und habe auch laaaaaaange überlegt, inwieweit ich mich selbst beteiligen könnte beziehungsweise am Welttag des Buches aktiv werden könnte. So die zündende Idee kam mir allerdings nicht. Nicht, dass ich nicht Ideen gehabt hätte, aber irgendwie sprach immer etwas dagegen – vor allem was die Umsetzung anbelangt.

Was erwartet euch auf meinem Blog?

Da ich mich aber dennoch beteiligen möchte, habe ich mich entschieden ganz „klassisch“ Bücher zu verlosen 🙂

Welche genau, das werdet ihr am Welttag des Buches, am nächsten Sonnabend, erfahren! Ich würde mich freuen, wenn ihr hier vorbeischaut 🙂

Wer sich ebenfalls noch schnell für „Blogger schenken Lesefreude“ anmelden möchte, der kann das hier tun.

[Rezension] Unter dem Erlmond von Michael Peinkofer

Unter dem Erlmond

Titel: Unter dem Erlmond
Autor: Michael Peinkofer
Verlag: Piper
Seiten: 496
Preis: 12,99 Euro

Schnee und Eis drohen das Land Allagain zu überziehen. Denn das Böse versucht die Welt nach langer Zeit wieder zu erobern und friert dazu das Grundmeer ein, so dass die Welt in Kälte und Finsternis zu versinken droht. Von den ersten Vorboten, blutrünstigen Erlen, aufgerüttelt machen sich der Druide Yvolar, der Jäger Alphart und der Bauer Leffel auf ihre Welt vor dem Untergang zu retten. Auf ihrer Suche nach dem magischen Horn der Sylfen, die nach dem letzten Krieg gegen das Böse aus der Welt verschwunden sind, finden sie weitere tapfere Gefährten, mit denen sie sich schließlich zu siebent zum Gipfel des Berges aufmachen, wo einstmals die große Schlacht geschlagen wurde. Doch während die Gefährten alles daran setzen das Böse aufzuhalten, droht ein Krieg zwischen den Menschen auszubrechen…

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass „Unter dem Erlmond“ von Michael Peinkofer einfach nur eine Herr-der-Ringe-Imitation ist. Vor allem die fremd klingenden Namen lassen schnell eine Parallele zu Tolkiens Werken ziehen. Doch „Unter dem Erlmond“ ist was die Handlung betrifft grundverschieden von dem bekannten Fantasyromanen.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen die unterschiedlichen Menschen, die später zu Gefährten werden sollen. Das Gewicht wird dabei nicht auf eine Person vordergründig gelegt, sondern alle Protagonisten werden gleichwertig eingeführt und während des Handlungsverlaufes bekommt der Leser mal Einsicht in die Denkweise des einen, mal in die des anderen Charakters. Ein sehr schönes Konzept, denn so ist nicht zu Beginn klar, wer denn genau das Schicksal der Welt nun entscheiden wird. Vielmehr werden die vielen verschiedenen Einzelheiten beleuchtet, die Einfluss auf die Geschichte haben. Auch wenn, gerade zu Beginn des Buches, dem Leser nicht klar ist, warum gerade dieses Geschehen wiedergegeben wird.

Genau das macht den Einstieg beim Lesen auch etwas schwer. Denn anfänglich reiht der Autor einige Kapitel aneinander, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, in denen die Personen später auch nicht noch einmal wirklich auftauchen. Doch sobald der erste Charakter vorgestellt wird und sich die Handlung schnell verdichtet, kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Besonders gut ist bei „Unter den Erlmond“, dass die Handlung nicht geradlinig verläuft. Also hier muss kein „Auserwählter“ einen Ring zum „Schicksalsberg“ bringen, um das Böse zu vernichten. Vielmehr müssen die Helden sogar einige Rückschläge in Kauf nehmen. Ohne zu viel zu verraten: So müssen die Gefährten beispielweise nach einer neuen Möglichkeit suchen das Böse zu besiegen, nachdem die erste Lösung einfach einmal nichts geworden ist.

Michael Peinkofers Roman „Unter dem Erlmond“, dem ersten Band der zweibändigen Reihe Land der Mythen, ist ein Fantasyroman ganz in der Manier Tolkiens, der die Handlungsverläufe mal etwas anders präsentiert. Ein wahres Lesevergnügen für Fantasyfans und solche, die es nach der Lektüre dieses Buches bestimmt noch werden.

Die Fortsetzung von der Geschichte im Land der Mythen:
Band 2: Die Flamme der Sylfen

[Rezension] Das Paradies am Rande der Stadt von Volker Strübing

Das Paradies am Rande der Stadt

Titel: Das Paradies am Rande der Stadt
Autor: Volker Strübing
Verlag: Voland & Quist
Seiten: 208
Preis: 14,90 €

Eden – das Paradies auf Erden. Zumindest verspricht der gleichnamige große Konzern es den Menschen. Wer sich entschließt zu Eden, durch den Regenbogen, zu gehen, der verlässt seine Familie und Freunde, um ein Leben in einem der schwarzen Würfel in vollster Glückseligkeit zu genießen. Folgen unbekannt. Wer nicht zu Eden geht, lebt in einer der vielen Oasen oder in den sogenannten Schlammstädten, einem Ort, an dem es keine Gesetze und keine Regeln gibt. Am Rande eines dieser Orte, ganz in der Nähe eines sogenannten Eden-Würfels, dort wo früher einmal Berlin war, haben sich Menschen zu einer Gruppierung den „Freunden der Menschheit“ zusammengefunden. Sie wollen Eden stürzen, doch das ist gar nicht so leicht, wenn nicht nur von Eden angeheuerte „Seelenfänger“ die Mitglieder versuchen durch den Regenbogen zu führen, sondern auch politische und religiöse Organisationen ihnen Steine in den Weg legen. Zum Glück haben die Freunde der Menschheit ein Ass im Ärmel – Theo, ein Junge der in einer der Oasen ein behütetes Leben führt, aber ein begnadeter Hacker ist. Er soll sich in den Eden-Computer einklinken und so den Konzern vernichten. Das ist einfacher gesagt als getan. Schließlich hat es Theo mit dem technisch fortgeschrittensten Computer der Welt zu tun. Doch dann finden die Freunde der Menschheit zufällig Eva. Sie scheint als erste aus einem der Eden-Würfel entkommen zu sein und hat eine ganz besondere Beziehung zu Theo – obwohl sich die beiden nie zuvor begegnet sind. Die große Chance Eden endlich zu vernichten scheint gekommen zu sein.

Volker Strübings „Das Paradies am Rande der Stadt“ ist ein etwas anderer Science-Fiction-Roman. Er zeichnet eine Vision von einer Zukunft, die alles andere als rosig aussieht, in der der Mensch als Individuum kaum noch etwas zählt, Klone verstorbener Prominenter alle niederen Tätigkeiten verüben müssen, Menschen sich Arbeitsplätze mieten, um überhaupt eine Daseinsberechtigung zu haben, und Kinder künstlich erschaffen werden.

Ein grandioser Roman mit einem ironischen Blick auch auf unsere heutige Gesellschaft, feinsinnig und geistreich zugleich.

Besonders gut: Das Ende ist keines der 0-8-15-Enden in dem zum Schluss alle glücklich und zufrieden sind, sondern überrascht und lässt den Leser auch über den letzten Satz hinaus nachdenklich zurück. Denn Nachdenken muss man nach dieser Lektüre fast unausweichlich, zeichnet sie doch ein Bild von einer düsteren Zukunft, die gar nicht mal so weit hergeholt scheint, ob der derzeitigen technischen Versessenheit unserer Gesellschaft.

Dieser Roman ist nicht nur allen Science-Fiction-Fans zu empfehlen, sondern auch all denen, die sich sonst eher der Fantasy-, Dystopie-, Satire- oder Thriller-Literatur zuwenden.

[Rezension] Das Affenhaus von Sara Gruen

Das Affenhaus

Titel: Das Affenhaus
Autor: Sara Gruen
Verlag: Rowohlt
Seiten: 416
Preis: 9,99

Eine Explosion in einem Sprachlabor des Instituts für Menschenaffen verändert das Leben der dort beschäftigten Wissenschaftlerin Isabel abrupt. Sie wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert und ihre geliebten Menschenaffen, Bonobos, verschwinden quasi über Nacht. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus beginnt eine verzweifelte Suche Isabels nach den Bonobos. Diese tauchen unerwartet eines Tages als neue Stars einer Reality-Show auf. Isabel versucht nun ihre geliebten Affen zu befreien. Mit Hilfe von Studenten, Tierschützern und dem Journalisten John deckt sie dabei immer mehr Intrigen und Verwicklungen zwischen dem Leiter des ehemaligen Sprachlabors und dem Filmproduzenten auf.

Der Roman „Das Affenhaus“ ist der bereits vierte Roman der Autorin Sara Gruen. Sie fuhr für Recherchen zum Roman selbst in ein Sprachlabor und erlebte live und hautnah, wie die Affen kommunizierten und ihren freien Willen äußerten. Sie schloss dabei sogar Freundschaft mit einem Affenweibchen, dem das Buch gewidmet ist.

„Das Affenhaus“ ist ein spannend und einfühlsam erzählter Roman, der die Skrupellosigkeit von Filmproduzenten und Wissenschaftlern aufzeigt. Gleichzeitig aber beschreibt die Autorin auf wundervolle Weise die fast menschlich erscheinende Art der Bonobos. Denn die Beziehung Isabelas zu den Bonobos könnte menschlicher fast gar nicht sein, sie behandelt sie wie eine Familie und auch der Journalist John ist von der Art der Affen fasziniert.

Neben einer actionreichen und fast thrillerartigen Handlung regt der Roman auch stark zum Nachdenken an und wirft die Frage auf, ob der Mensch wirklich so unterschiedlich den Affen gegenüber ist, oder die Wissenschaftler und auch wir selbst uns nicht nur versuchen einzureden, dass wir so viel anders sind.