[Rezension] Das Schmetterlingsmädchen von Laura Moriarty

Das Schmetterlingsmädchen

Titel: Das Schmetterlingsmädchen
Autor: Laura Moriarty
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 463
Preis: 9,99 Euro

Mitten in den goldenen 20er Jahren: Cora Carlisle führt ein beschauliches Leben in einem kleinen Städtchen in Kansas. Ihre beiden Söhne sind aus dem Haus. Nur noch sie und ihr Mann Alan bewohnen ihr großes Haus. Cora vertreibt sich ihre Zeit mit Kaffeekränzchen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und ehrenamtlicher Tätigkeit. Doch dann sucht die als arrogant geltende Myra Brooks eine Anstandsdame für ihre Tochter Louise, die mit dem 15-jährigen Mädchen nach New York fahren soll, wo das Kind eine berühmte Tanzschule besuchen wird. Cora fackelt nicht lange und bewirbt sich für die Stelle. Und bekommt sie. Kurze Zeit später schon kommt sie mit dem Zug und Louise Brooks in New York an. Und während das Mädchen, das später zu einer der größten Stummfilmikonen werden soll, an der Tanzschule ihr bestes gibt, wandert Cora durch die Straßen New Yorks. Auf der Suche. Denn Cora verbindet etwas Besonderes mit dieser Stadt…

Ein Buch, das mitten in den goldenen Zwanzigern spielt. Und genauso schillernd und voller Umbrüche, wie uns heute diese Zeit scheint, ist auch dieses Buch. Man begegnet der jungen Louise, die aus den alten Konventionen ausbrechen will. Sie wirkt moderner als viele der anderen Figuren, vertritt sie doch viele Anschauungen, die heute normal sind, über die zum Teil niemand mehr nachdenken würde, die aber in den 20er Jahren einen wahren Tabu-Bruch darstellten. Ihr gegenüber steht die etwa 20 Jahre ältere Cora. Sie ist ein Kind ihrer Zeit und tief verwurzelt in den alten Anschauungen. Besonders am Anfang wirkt sie deswegen eher spröde und prüde. Das macht es auch dem Leser schwer sich mit ihr zu identifizieren. Doch nach und nach, umso mehr man über Cora und ihre Lebensumstände weiß, schleicht sich ein Gefühl des Verständnisses ein. Und zum Ende hin (ohne hier zu viel verraten zu wollen) wird Cora zu einer sehr modernen und unkonventionellen Frau.

Gerade die Entwicklung der Cora ist deshalb umso erstaunlicher. Der Leser begleitet sie auf ihrem Weg und erhält dabei auch Einblicke in die damalige Zeit. Dazu gehört auch Louise Brooks. Das Mädchen, aus dem später eine der Stummfilm-Ikonen der Zeit wurde, beschäftigt Cora ihr ganzes Leben lang und zieht sich damit auch durch das Buch. Über Cora erfährt der Leser, wie es mit der ambitionierten Tänzerin weiterging. Und wie sich die Entwicklung des Filmes, weg vom Stummfilm zu den großen Blockbustern, die wir kennen, auch auf die Karriere und das Leben der Louise Brooks ausgewirkt hat.

Anders, als man vielleicht beim Lesen des Klappentextes glauben mag, geht es nicht vornehmlich um Louise Brooks. Vielmehr ist „Das Schmetterlingsmädchen“ die Familiengeschichte der Cora. Die auf eindrückliche Weise auch die sich im Umbruch befindliche Zeit widerspiegelt. Aber gerade die Schilderungen von Louise machen den Leser neugierig auf die Stummfilm-Ikone, von der bestimmt noch nicht viele vorher gehört haben. Ich zumindest habe mir im Anschluss an das Buch erst einmal einige Videos im Internet mit ihr angeschaut.

„Das Schmetterlingsmädchen“ von Laura Moriarty ist ein wundervoller Roman, der mit seiner bildhaften Sprache auf eindrückliche Weise die 20er Jahre vor den eigenen Augen wieder aufleben lässt, und die Veränderungen in der Gesellschaft anhand der traurigen Geschichte der Cora beschreibt.

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