[Rezension] Der Joker von Markus Zusak

Der Joker von Markus Zusak

Titel: Der Joker
Autor: Markus Zusak
Verlag: cbj
Seiten: 448
Preis: 8,99 Euro

Ed ist ein ganz normaler 18-Jähriger, der noch nichts im Leben erreicht hat. Er führt ein ganz durchschnittliches Leben, an ihm ist nichts Besonderes. Doch das ändert sich eines Tages schlagartig. Als Ed beschließt bei einem Banküberfall den Dieb zu stellen. Denn kurze Zeit darauf findet er eine Spielkarte, das Karo Ass, in seinem Briefkasten. Diese Karte ist eine von vieren, die der 18-Jährige geschickt bekommt. Immer verbunden mit Aufgaben, die Ed erfüllen muss. Sei es das Selbstvertrauen eines jungen Mädchens zu stärken oder eine Frau von ihrem gewalttätigen Ehemann zu befreien. Von Karte zu Karte werden die Aufgaben immer schwerer. Doch Ed schlägt sich wacker, setzt sich für die Menschen, zu denen ihn die Karten führen ein. Doch wer steckt hinter dem Ganzen, wer schickt ihm immer die rätselhaften Karten?

Zu Beginn wirkt der 18-jährige Ed noch sehr langweilig, vielleicht etwas wichtigtuerisch, aber keinesfalls auf irgendeine Weise besonders. Doch schon nach den ersten Kapiteln von Markus Zusaks „Der Joker“, beginnt sich der so unscheinbare Jugendliche zu verändern. Spätestens mit der ersten Karte kann der Leser bereits bemerken, welches Potenzial in dem Protagonisten eigentlich steckt. Denn das Schicksal der Personen geht ihm doch sehr nahe.

Dennoch macht es Ed nicht leicht, ihn zu mögen. Verhält er sich bei seinen ersten Aufgaben doch recht feige und schiebt die schwierigste vor sich her, so lange, bis er alle anderen schon gelöst hat. Das macht aber gerade den Charme dieses Buches und der Geschichte aus, denn gerade weil der Hauptcharakter nicht perfekt ist, sogar ziemlich viele Macken und Fehler hat, ist sie sehr authentisch und lebensnah. Der Leser kann sich leicht in Ed hineinversetzen und für sich bei den verschiedenen Aufgaben überlegen, wie er sich verhalten hätte. Letztlich geht es bei allen Aufgaben Eds um Zivilcourage oder zumindest, dass man mehr auf die Menschen in seiner Umgebung achten und sich für sie einsetzen sollte.

Markus Zusaks Schreibstil ist perfekt auf die Geschichte abgestimmt. Man könnte sagen, er schreibt so, wie Ed und die anderen Personen auch sprechen könnten. Dadurch ist es manchmal etwas für den Leser etwas verwirrend, wenn zum Beispiel in einem Gespräch nur etwas angedeutet wird oder die Personen aneinander vorbeireden. Doch das tut dem Buch keinen Abbruch, mir haben diese kleinen verwirrenden Momente sogar gefallen, da dadurch es viel realistischer ist, der Leser bekommt nicht alles fertig serviert, sondern muss auch ein klitzekleines bisschen beim Lesen nachdenken.

Wer bereits Werke von Markus Zusak wie zum Beispiel „Die Bücherdiebin“ gelesen hat und begeistert war, der wird auch von „Der Joker“ begeistert sein. Der Schreibstil ist etwas anders, dennoch besticht er wieder mit sehr vielen Details und Überraschungen und mit einer unglaublichen originellen Geschichte.

Wer noch keines von Markus Zusaks Werken gelesen hat, der wird dieses Buch ebenfalls lieben. Man muss sich an den Schreibstil etwas gewöhnen, aber nicht, weil er schwer ist, sondern weil viele aktuelle Bücher einfach anders geschrieben sind. Dort werden viele Andeutungen gemacht, oft wird gleich zu Anfang etwas verraten, was die Hauptpersonen aber erst später erfahren oder es ist vorhersehbar in welche Richtung sich der Plot entwickelt. Viele aktuelle Bücher sind einfach leichter zu rezipieren. Das ist bei „Der Joker“ meiner Meinung nach aber nicht der Fall. Denn vorhersehbar ist bei ihm bis zum Schluss nichts. Der Leser wird immer wieder überrascht, sobald er glaubt das Rätsel um die Karten gelöst zu haben und zu wissen, wie es nun weitergeht, entwickelt sich die Geschichte plötzlich in eine ganz andere Richtung.

Allerdings: Etwas unglücklich finde ich den Schluss. Keine Frage, die Auflösung des Rätsels ist grandios, erinnerte mich auch etwas an Jostein Gaarders „Sophies Welt“, dennoch wird der Leser dann damit auch ziemlich allein gelassen.

Dennoch: „Der Joker“ von Markus Zusak ist ein wunderschöner unglaublich fantasievoller Roman, der deutlich vor Augen führt, wie viel wir von unserer Umgebung nicht wahrnehmen und zeigt, dass selbst kleine Aufmerksamkeiten vielen Menschen schon helfen können. Außerdem zeigt er, dass jeder Mensch zu so etwas wie Zivilcourage in der Lage ist, er sich nur aufschwingen muss. Dieser Roman regt den Leser auf jeden Fall zum Nachdenken an und wirkt nach der Lektüre noch lange nach.

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