[Rezension] Die Brautprinzessin von William Goldman

Die Brautprinzessin

Titel: Die Brautprinzessin
Autor: William Goldman
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 426
Preis: 14,95 Euro

Eine wahrhaft märchenhafte Geschichte von wahrer Liebe, Verrat und Betrug, mit Bösewichten, mutigen Kämpfern und schönen Prinzessinnen: Butterblume wächst auf einem Bauernhof auf. Umso mehr sie heranwächst, umso schöner wird sie auch, bis sie irgendwann als die schönte Frau auf der ganzen Welt gilt. Das ist Butterblume aber recht egal, denn sie will nur eins – Westley, den Stalljungen, in den sie sich verliebt hat. Doch dieser will Butterblume nicht heiraten, bevor er nicht in Amerika reich geworden ist, um ihr das Leben bieten zu können, das sie verdient. Auf dem Weg nach Amerika verunglückt Westley nun und Butterblume soll Prinz Humperdinck, den Herrscher über das Land, heiraten. Doch da wird Butterblume plötzlich entführt.

Neben dieser Geschichte gibt es jedoch noch eine zweite. Eine Art Rahmenhandlung, die von dem Schriftsteller William Goldman erzählt, der Butterblumes Geschichte von S. Morgenstern „auf die spannenden Teile“ gekürzt hat. Einst vom Vater während einer langen Krankheit mit diesem Märchen unterhalten, wollte Goldman, so erzählt er, auch seinem Sohn diese schöne Geschichte näherbringen und muss dabei feststellen, dass das Buch zahlreiche Passagen aufweist, die für einen jungen Leser weniger interessant, ja nahezu langweilig, wirken. Und so beginnt er die Geschichte neu zu bearbeiten.

So werden dem Leser zwei Geschichten erzählt, die eine augenscheinlich von William Goldman, die andere von S. Morgenstern. Dass Butterblumes Geschichte ein Märchen ist, also Fiktion und nicht wirklich auf Tatsachen beruhend, ist ziemlich offensichtlich. Anders verhält es sich dabei mit der Goldman-Geschichte, die zahlreiche biographische Daten enthält und zumindest den Anschein erweckt, als ob es sich dabei um eine wahre Geschichte handelt. Inwieweit diese auch glaubhaft ist, das muss der Leser selbst herausfinden.

Der Leser ist also permanent dabei gespannt die Handlung Butterblumes Geschichte zu verfolgen und herauszufinden inwieweit nun das Buch von Goldman geschrieben wurde, wer S. Morgenstern (der angebliche Originalautor) und was an Goldmans Geschichte wirklich stimmt.

An Spannung und Unterhaltung entbehrt dieses Buch auf jeden Fall nicht. Allerdings kann das ewige Rätselraten und Zwischen-den-Geschichten-Wechseln auf die Dauer etwas anstrengend sein. Zum Ende hin wird es sogar sehr unbefriedigend, da die Geschichte an der spannendsten Stelle aufzuhören scheint – und so viel sei schon einmal verraten: es gibt auch KEINE Fortsetzung der Brautprinzessin.

Alles in allem ein Buch, das den Leser sehr zwiegespalten zurücklässt. Zum Einen ist die Geschichte um Butterblume wirklich spannend und wer Märchen mag, der wird sie auf jeden Fall lieben, da sie mit zahlreichen spannenden und unerwarteten Wendungen aufwartet. Zum Anderen fühlt sich der Leser der Willkür des Autors ausgesetzt. Generell liegt die Macht darüber, was dem Leser als „Wirklichkeit“ präsentiert wird, auch über den Autor selbst, beim Autoren. Nur wird in anderen Büchern das nicht so deutlich gemacht. In „Die Brautprinzessin“ nun wird der Leser quasi vorgeführt, wie leicht er sich zum Teil auch hinters Licht führen lässt, wie schnell er etwas als gegeben hinnimmt, was geschrieben vor ihm liegt.

So liegt das Herausragende an „Die Brautprinzessin“ nicht in deren Handlung per se, sondern darin, dass sie dem Leser einmal wieder bewusst macht, wie leicht es doch ist ihn zu beeinflussen.

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