[Rezension] In Wahrheit wird viel mehr gelogen von Kerstin Gier

In Wahrheit wird viel mehr gelogen

Titel: In Wahrheit wird viel mehr gelogen
Autor: Kerstin Gier
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 269
Preis: 8,99 Euro

Es ist immer schwer mit dem Verlust eines Menschen klarzukommen. Umso schwieriger ist es, wenn man 26 ist und gerade seine große Liebe verloren hat. Genau dies ist Carolin passiert. Nach fünf Jahren Ehe stirbt ihr Mann Karl an einem Herzinfarkt. Von heute auf morgen bricht für Carolin die Welt zusammen. In ihrer Trauer muss sie sich mit den Verwandten ihres Ehemanns um ein nicht gerade kleines Erbe streiten. Schwierig macht die Angelegenheit nicht nur der geldgierige fordernde Bruder ihres Mannes, sondern auch Carolins Exfreund. Und so verkriecht sich Carolin bei ihrer Schwester, betrinkt sich mit Wein und hält alle anderen Menschen für Idioten. Aus Verzweiflung geht sie sogar zu einer Therapeutin. Mit Hilfe ihrer Familie rappelt sich Carolin aber langsam wieder auf. Und dann ist da auch noch der süße Apotheker, der zu Carolins neuem schwulem (?) Freund wird…

Kann man über ein sensibles Thema wie dem Verlust eines geliebten Menschen ein amüsantes und humorvolles Buch schreiben? Kerstin Gier ist dies gelungen, mit viel Einfühlungsvermögen und einer besonderen humorvollen Art. Die Trauer Carolins, ihre Ohnmacht und später Verzweiflung, ihr Hass auf den Rest der Welt, alles wird sehr überzeugend, sehr detailliert und emotional beschrieben. Auch die Entwicklung der Trauer Carolins beschreibt sie teilweise sehr gut, unterstützt wird dies schon allein durch die gewählte Erzählform aus der Perspektive Carolins. So bekommt der Leser einen guten Einblick in ihre Gedankenwelt.

Besonders durch die weiteren Charaktere wird das Buch dann zu einem amüsanten und humorvollem Lesevergnügen. Denn mit den anderen Charakteren, vor allem Carolins Familie und auch dem netten Apotheker, entwickeln sich viele spannende und wirklich komische Dialoge. Oft aus dem Versuch heraus Carolin aus ihrer Trauer herauszureißen, was, man ahnt es schon, natürlich nicht gelingt.

Kerstin Gier verwendet dabei eine sehr einfache, lockere und alltägliche Sprache, die das Lesen sehr leicht macht. Aber gerade in Anbetracht des Themas ist die Sprache an einigen Stellen etwas zu locker und wird der betreffenden Situation und Carolins Gefühlslage nicht ganz gerecht.

Das Erzähltempo ist „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“ zu Beginn genau richtig. Der Leser lernt Carolin kennen, es wird viel Zeit (und damit Wörter) darauf verwendet Carolins Gefühlswelt zu beschreiben. Zum Ende hin nimmt das Erzähltempo rapide zu, was gerade auf die Gefühlwelt und die Entwicklung Carolins gesehen eher negativ ist. Der Leser bekommt kaum mehr Einblick in Carolins emotionale Veränderung, vielmehr stehen die äußeren Entwicklungen im Mittelpunkt. Es entsteht der Eindruck, dass die Geschichte schnell zu Ende gebracht werden sollte. Und dieser Eindruck legt sich auch nicht mit dem Ende. Denn dieses ist sehr abrupt, eigentlich mitten in der Geschichte. In einem Moment erhält der Leser noch einmal einen kleinen Einblick in Carolins Gefühlswelt, im nächsten ist auch schon alles vorbei.

Alles in allem ist „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“ aber ein unterhaltsamer Roman, der sich dem Thema Verlust auf eine humorvolle Art versucht zu nähern mit interessanten, verrückten und liebenswerten Personen. Dabei bleibt er jedoch sehr oberflächlich, eine tiefergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt – es handelt sich also um eine eher kurzweilige Unterhaltung.

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