[Rezension] Pjöngjang von Guy Delisle

Pjöngjang

Titel: Pjöngjang
Autor: Guy Delisle
Verlag: Reprodukt
Seiten: 184
Preis: 20,00 Euro

Nordkorea. Abgeriegelt von der restlichen Welt, wo die Propaganda das Leben der Menschen bestimmt. Für viele ist es ein unbekanntes Land, sind doch die Berichte über diesen Staat sehr spärlich. Nur wenige Menschen der westlichen Welt bekommen die Erlaubnis dieses Land zu besuchen. Der kanadische Comiczeichner Guy Delisle ist einer von ihnen. Für ein französisches Trickfilmstudio reist er nach Pjöngjang, um die dortige Trickfilmproduktion zu begleiten, denn längst ist Nordkorea das, was früher einmal China für die Industrie war: Ein Land in dem es vor allem eines gibt – billige Arbeitskräfte. Mit Fremdenführer, Dolmetscher und George Orwells „1984“ entdeckt er dieses kaum bekannte Land, in dem „Freiwillige“ die Autobahn putzen und kaum Menschen in der Stadt zu sehen sind. Und stellt schnell fest: In einem totalitären System kann auch die kleinste Form von Rebellion, und sei es auch nur ein Spaziergang durch die Stadt, ein wahrer Triumph sein.

In einfachen, schnörkellosen und markanten Bildern erzählt Guy Delisle von seinem Ausflug in ein von der restlichen Welt abgeriegeltes Land. Dabei findet weniger die Arbeit in dem Trickfilmstudio, der er eigentlich hauptsächlich nachgeht, Beachtung, sondern vielmehr der Eindruck den die Hauptstadt Nordkoreas auf ihn gemacht hat. Erwähnung findet dabei von der Unterbringung im Hotel bis hin zu abstrusen Gesprächen mit seinen nordkoreanischen Begleitern eigentlich alles, was Delisle selbst aufgefallen ist.

Besonders markant ist dabei die ständige Wiederholung bestimmter Umstände beziehungsweise Aussagen der Nordkoreaner. Zu Beginn mag das nur amüsant sein, da es Delisle auch immer mit einem Augenzwinkern erzählt, doch umso länger man sich mit dieser Graphic Novel beschäftigt, umso verstörender sind gerade diese Wiederholungen. Zeigen sie doch wie anders Nordkorea allein von seiner Lebenswelt her schon ist.

In die besagte Lebenswelt bekommt der Leser aber nur den Einblick, den auch Delisle bei seinem Aufenthalt in der nordkoreanischen Hauptstadt bekommen hat. Dies ist aber wohl der beschränkten Mitteilsamkeit der Nordkoreaner gegenüber ausländischen Besuchern geschuldet, was auch viel über das Land aussagt.

Generell spielt sich vieles in dieser Graphic Novel zwischen den Zeilen beziehungsweise Bildern ab. Gerade dieser Subtext macht dieses Buch auch zu einem so spannenden und langanhaltendem Vergnügen, es lässt viel Deutungsspielraum und ist dabei aber nicht stur ernst oder belehrend.

Alles in allem ist „Pjöngjang“ von Guy Delisle eine sehr interessante und unterhaltsame Graphic Novel über ein noch viel zu unbekanntes Land, das erst langsam in der vergangenen Zeit wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit der „westlichen Welt“ gerückt ist. Was nach der Lektüre bleibt, ist nicht nur eine Art Nachdenklichkeit sondern auch der Drang selbst in dieses kleine Land zu fahren und alles mit eigenen Augen zu sehen (und zu bewerten).

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